ILS Traunstein nimmt den Vollbetrieb auf

Veröffentlicht am:17.06.2010

Berchtesgadener Land: Die Integrierte Leitstelle (ILS) in Traunstein, eine von insgesamt 26, die es bayernweit künftig geben soll, befindet sich seit 17.06.2010 in Vollbetrieb. Die europaweit einheitliche Notrufnummer 112 schaltet in Zukunft alle eingehenden Anrufe aus den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn und Traunstein auf die Integrierte Leitstelle nach Traunstein um - die Alarmierung der Feuerwehren erfolgt künftig ausnahmslos über den Zweckverband. »Bei der Polizei bleibt es bei der 110«, erklärt der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden, Anton Brandner.

Für ihn bringt das neue System deutliche Verbesserungen mit sich. Darunter auch konkrete Vorteile, die die Arbeit der Einsatzkräfte erleichtern. Disponenten in der ILS nehmen in Zukunft eingehende Notrufe über die 112 an. »Erforderlich ist eine rettungsdienstliche und feuerwehrfachliche Ausbildung«, sagt Anton Brandner. Denn: Im Normalfall lässt sich nicht von vorneherein feststellen, ob bei einem Einsatz technische oder medizinische Hilfe erforderlich ist. »Für uns als Einsatzkräfte stehen die Disponenten immer zur Verfügung, auch dann, wenn eventuelle Nachforderungen gebraucht werden«, so der Kommandant.

Der Disponent der Leitstelle erfasse die Örtlichkeit und wählt ein geeignetes Stichwort aus. »Für jedes denkbare Szenario wurden Stichwörter hinterlegt, um eine genaue Alarmierung der benötigten Einsatzmittel sicherzustellen«, so Brandner. Allein bei der Feuerwehr gibt es über 50. »Von der Katze auf dem Baum, bis hin zum Großbrand«. Bei allen Szenarien sei genau festgelegt, welche Einsatzmittel benötigt würden. »Im alten System war es bei einer Katze auf dem Baum, einer Ölspur und einem Verkehrsunfall ohne eingeklemmte Person dieselbe Alarmierung. Das ist nun präziser«, sagt Brandner.

Anfangs bestand bei der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden Sorge aufgrund des großen Einzugsgebietes, das die Integrierte Leitstelle in Traunstein abdeckt. »Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass die gute Schulung der Disponenten und deren technische Hilfsmittel gute Dienste erweisen«. Somit sei es kein Problem, selbst wenn Ortskundige nur mit speziellen Bezeichnungen, zum Beispiel die »Zickei-Kurve« zwischen Bischofswiesen und Winkl aufwarteten.

Viel häufiger stelle sich das Problem, dass Meldende kaum Ortskenntnisse hätten. Jedoch seien die Nachfragemöglichkeiten der Leitstelle derartig ausgereift, dass Einsatzorte auf schnellem Wege ausfindig gemacht werden könnten. Ereignet sich etwa in der Almbachklamm ein Unfall ohne konkrete Details, habe man nun den großen Vorteil, so Brandner, dass die erste Einheit vor Ort Rückmeldungen geben kann, von welchen die nachrückenden Einheiten profitierten - all das über die Integrierte Leitstelle in Traunstein, die mit allen Beteiligten in direkter Verbindung steht. »Bislang wurden alle Einheiten getrennt voneinander alarmiert. Jetzt haben wir alles unter einem Hut«, sagt der Feuerwehrkommandant, der eine weitere wesentliche Neuerung aufzeigt - die sogenannten Bereichsfolgen: Für jeden Ortspunkt wurde vorab festgelegt, welche Einheit die kürzeste Entfernung zur Einsatzstelle hat. »Es wird unabhängig von Verwaltungsgrenzen alarmiert«, weiß er. So könne es also durchaus sein, dass die Erstalarmierung bei der Feuerwehr Königssee erfolge, obwohl sich der Einsatzort in Berchtesgaden befindet. »Die Ortswehr wird aber grundsätzlich immer ebenso alarmiert«. So könne man bei größeren Szenarien auch auf die Hilfe von Feuerwehren aus Nachbargebieten setzen. »Die Drehleiter aus Hallein wird etwa beim Stichwort »Krankenhausbrand« gleich mitberücksichtigt«.

Seit Mitte Juni arbeitet die ILS nun in Vollbetrieb - in »beinahe allen anderen Bundesländern haben wir vergleichbare Systeme«, sagt Brandner. Die Vorteile des neuen Alarmierungssystems überwiegen eventuelle Nachteile: »Der Fortschritt ist allein schon konzeptbedingt gegeben«. Durch das Zusammenlaufen der Fäden bei der Integrierten Leitstelle ist die Zuversicht bei der örtlichen Feuerwehr Berchtesgaden für deren Einsätze groß. »Die Praxis wird es zeigen«, so der Kommandant.

© 2010 - Feuerwehr Berchtesgaden, Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit
Text: Berchtesgadener Anzeiger, Kilian Pfeiffer
Foto(s): ILS Traunstein
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